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Sprecherziehung

Seit 1996 arbeite ich im Bereich der künstlerischen Sprecherziehung an Theatern und Schauspielschulen, dem Forum für Filmschauspiel Berlin (seit 2003), sowie in Workshops an verschiedenen Universitäten.

Stimme, Sprache, Präsentation

Die Stimme ist Ausdruck unserer Persönlichkeit und Lebensenergie. Wenn der gesprochene oder gesungene Laut ein Gegenüber berührt, wenn eine Stimme in der Tiefe hörbar wird, stimmt mehr als die Technik. Die Stimmigkeit entspricht einer authentischen Intention, die Atem, Stimme und Körper zu einer organischen Einheit formt. Intentionalität verändert die Körperspannung und damit die Voraussetzungen für die Tonqualität. Der Körper richtet sich auf, geht in Kontakt, und befindet sich in einem ausgewogenen Körperspannungszustand, dem Eutonus. Dieser Vorgang
erfordert einen bestimmten geistigen Zustand, eine spezielle Wachsamkeit (awareness), die erlebt und gepflegt werden will.

Häufig ist die Stimme durch alte automatisierte Muster geprägt, aus denen wir nicht ohne Hilfe herausfinden. Durch Traumata und Streß haben sich Schutzspannungen entwickelt, die das in jedem wunderbar angelegte Stimmpotential blockieren. Damit der Körper sich öffnen (umlernen) kann, ist es wichtig, diese Muster und Blockaden individuell bewußt zu machen. Solange ich nicht weiß, was ich tue, kann ich auch nichts verändern. Darüberhinaus schafft die Entwicklung eines Verständnisses für physiologische Zusammenhänge eine andere Selbstwahrnehmung und ein besseres Verständnis für alle Übungsbereiche.

Technik muß für mich immer im Einklang mit den physiologischen Funktionen stehen, um sich nicht in einen Kampf gegen den Körper zu verstricken. Ein solcher Kampf kostet unnötig Energie und versperrt den Zugang zu einer berührenden Stimmqualität.

Methodisches Vorgehen

Im Grenzbereich von gesanglicher und sprechender Ausbildung, Körperarbeit, Atemarbeit und Stimmtherapie arbeite ich an einer Zusammenführung von Sprech- und Singstimme. Über
Körperarbeit (inspiriert von Alexander, Gindler und Feldenkrais) und einer Basisarbeit für den Atem (die Technik der reflektorischen Luftergänzung und einer physiologischen Atemstütze einbezieht) bewege ich mich auf verschiedenen Wegen zur Stimme.

Meine Erfahrung aus der Arbeit im Schauspielbereich hat gezeigt, dass häufig mit Interpretation
gearbeitet wird, ohne daß das notwendige Material zur Verfügung steht. Um diesen Mangel auszugleichen, werden kompensierende Mechanismen etabliert, die einer weiteren Entwicklung der Stimme dann im Wege stehen. Daher halte ich es für wichtig, zunächst mit den Grundlagen der Atem-, Stimm- und Sprechtechnik zu arbeiten.

Atemarbeit

Die natürliche Physiologie der Atemfunktion ist eine unverzichtbare Grundlage für eine gute Stimmqualität. Die automatische, reflektorische Einatmung, die ohne jede willentliche Beeinflussung geschieht, ist der Schlüssel zur Öffnung der Resonanzräume und dem Erlebnis einer den Körper durchdringenden Stimme. Unbewusste Atemgeräusche zerstören überdies oft den künstlerischen Ausdruck.

Stimmarbeit

Auf der stimmlichen Ebene biete ich ein Repertoire von Übungen zur Entwicklung eines Sprech-
stimmsitzes an, der - inspiriert vom gesanglichen Umgang mit der Stimme unter Ausnutzung optimaler Resonanzverhältnisse -

einen Umfang von bis zu 2 Oktaven für die Ausdrucksvielfalt bereitstellt
eine hohe Tragfähigkeit und Leichtigkeit der Sprechstimme bei großer Lautstärke entwickelt, sowie
eine Tragfähigkeit der leisen Stimme auf der Bühne ermöglicht.

Letzteres ist im allgemeinen eine seltene Kunst, da die leise Sprechstimme oft durch Verengung oder Hauch erzeugt wird, was gleichermaßen nicht tragfähig ist.

Ergänzt wird die Arbeit an der Stimmqualität durch Methoden, die zu einer transparenten Artikulation verhelfen, ohne sich negativ auf die Stimmresonanz auszuwirken.

Textarbeit

Damit der Künstler diese Stimmqualität nicht nur im Selbsterfahrungsaspekt, sondern vor allem auch im künstlerischen Ausdruck erfährt, folgt der Grundlagenarbeit die Umsetzung in der Textgestaltung. Dazu führe ich durch einfache, strukturierte Abfolge von Gestaltungsübungen, durch die ein breites Spektrum von Ausdrucksformen entwickeln werden kann, die in einer natürlichen Organisation stimmlicher Parameter wie Rhythmus, Betonung, Satzmelodie eingebettet sind. Letztlich liefert auch hier die Intentionalität den Schlüssel zu einer authentischen Gestaltung.

Präsentationsarbeit

Zum Abschluß wird den Teilnehmern Gelegenheit gegeben, die Textgestaltung in einer Präsentation zu erproben, wobei alle insbesondere körperliche Aspekte mit einbezogen werden. Letztes Ziel der Arbeit ist, das Gegenüber in der Präsentation zu berühren und damit Zugang zu den „magischen Momenten“ der künstlerischen Gestaltung zu finden.

 

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