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Kreative Präsentation
Vom Handwerk zur Kunst
Die Situation
Wir alle kennen zwei Qualitäten von Kunst. Die eine
vermag uns zu beeindrucken und ruft Bewunderung oder Kritik hervor. Die
andere dagegen berührt uns auf eine Weise, die Worte verstummen läßt.
Während erstere rasch in Vergessenheit gerät, gehören Momente
der letzteren zu jenen, die wir ein ganzes Leben als unvergessen in uns
tragen.
Was den Unterschied beider Qualitäten ausmacht, scheint sich jeder
Rationalisierung zu entziehen. Wir können die eine mit Technik oder
Handwerk in Verbindung bringen, die andere bleibt mit Assoziationen wie
Herz oder Authentizität im Dunstkreis eines kaum greifbaren Zaubers.
Der Überfülle von Brillianz, Technik und Kunstfertigkeit im
heutigen Kunstbetrieb stehen die magischen Momente wie kleine Oasen in
einer bizarren Wüste gegenüber. So muß sich jedem künstlerisch
tätigen Menschen die Frage stellen:
Ist das Erzeugen solch magischer Momente erlernbar?
Der Alltag des künstlerischen Daseins gibt eine entmutigende Auskunft.
Statt des Zaubers erleben wir Widerstände in Form von technischen
Problemen und Hemmungen. Wir leiden unter Lampenfieber und der Angst,
dem allgegenwärtigen
Leistungsanspruch nicht zu genügen. Wir erfahren Selbstzweifel,
Frustration, Streß, Körpersymptome und sehen uns als Opfer
einer unkontrollierbaren Situation.
Und hin und wieder überfällt uns der Zauber wie ein unverdientes
Geschenk und läßt uns ein wenig betäubt zurück...
Mein Ansatz
Eine alte Schauspielregel lautet: Gehe nie mit einem Kind oder Tier
auf die Bühne...
Beide haben keine Technik, keinerlei Handwerk, dennoch sind diesem Zauber
nur Meister gewachsen - wie Charlie Chaplin in seinem Film Tramp. Es gibt
also Zauber ohne Technik und Technik ohne Zauber. Und selten eine glückliche
Synthese beider Welten...
Entsprechend gibt es zwei Quellen, aus denen der Kunstschaffende seine
Kreationen schöpft:
ICH + MATERIAL > KREATION
Material umfaßt hierbei das Kunstwerk, die Technik und deren körperliche
Grundlage. Es kann mit einem Schlauch verglichen werden, der etwas substantiell
anderes, wie Wasser, von A nach B transportiert. Professionalität
wird zur Brücke, welche die Lücken in unserer Authentizität
zu überspannen erlaubt.
Wie groß ist die Kluft, die zu überbrücken ist? Warum
ist all unser technisches Vermögen oft machtlos, wenn uns ein Kind
in seiner Naivität berühren kann? Die Verwandlung durch den
Zauber erfordert Berührung im eigentlichen Sinne. Sie erfordert,
daß wir mit unserem ICH von der alltäglichen Ebene der Unterschiede,
der technischen Differenzierung, auf die Ebene der Gleichheit gehen.
Dennoch, so zeigt uns das Beispiel Tier, brauchen wir weder die vollständige
Identifikation mit dem Publikum als Empfänger, noch mit der Künstleridentität.
Das Tier spielt nicht, und Schweinchen Babe hat sogar die Multiple Identität
Dutzender von "Darstellern". Die Gefühle werden nicht übertragen,
sondern projiziert.
Um den Kopf (und mit ihm die emotionale Ebene!) zu erreichen, genügt
offensichtlich eine erlernbare Signalfolge, wie Geisterbahnen, Techno
und Virtual Reality beweisen.
Um das Herz zu erreichen, brauchen wir eine bestimmte Intention, eine
Haltung von Offenheit und Vertrauen, verletzlich und unangreifbar gleichermaßen.
Kreativer Ausdruck verlangt, daß du an einen Ort gehst, der
jenseits von Gefühlen liegt. Es geht nicht um das Ausleben eigener
Prozesse.
Die Distanz des Kunstschaffenden zum eigenen Prozeß fördert
das Entstehen von Projektionsflächen, welche beim Publikum Emotionen
wachrufen. Gerade diese Distanz zur eigenen Emotionalität kann die
Voraussetzung schaffen, um in Verbindung mit jener Authentizität
zu sein, welche Quelle der magischen Momente ist.
Die Methoden
Gewöhnlich trennt uns ein jahrzehntelanges Vermeidungstraining "verbotener"
Verhaltensweisen mit der dazugehörigen allgegenwärtigen Kritik
an unseren natürlichen Impulsen von der Authentizität des Kindes.
Die Verletzungen, die wir erfahren haben, und die Selbstzweifel haben
sich tief in unsere Körperphysiognomie und die funktionalen Abläufe
unseres Muskelgeflechts eingegraben. Schutzmechanismen unserer Psyche
haben sich zu komplexen Hemnissen unserer Spontaneität verselbständigt.
Die tiefste körperliche Wurzel dieser Blockaden zeigt sich in der
Atmung, die durch die Erfahrung ihrer ursprünglichen reflektorischen
Selbststeuerung wieder zu ihrer natürlichen Ökonomie gelangen
kann.
Aus der natürlichen Atmung entfaltet sich eine Phonation, welche
jene Resonanzbereiche verfügbar macht, die einer Stimme Tragfähigkeit
und Ausdruckskraft verleihen, in der Rezitation wie im Gesang.
Die psychische Bereitschaft, die Befreiung der körperlichen Funktionen
zu erlauben, kann durch Anwendung der Prozeßorientierten Psychologie
nach Arnold Mindell gefördert werden. Verschiedene Methoden des Improvisationstheaters
nach Keith Johnstone erlauben ein spielerisches Training der veränderten
Verhaltensmuster.
Der Weg
Die bewußte Unterscheidung vom Persönlichen (ICH) und dem technischen
Repertoire (MATERIAL) erlaubt eine gegenseitige Abstimmung beider Seiten.
Auf der Seite des ICH wird eine Haltung von Vertrauen und der Verzicht
auf hemmende Kontrollmechanismen erarbeitet, während das MATERIAL
zum Werkzeug des Verwandlungsprozesses werden muß.
Arbeit am ICH: Das Freilegen unserer tiefsten Motivation, eine
Bühne zu betreten, eröffnet uns den Zugang zu den Quellen von
Angst und Schmerz, welche andererseits die körperlichen Blockaden
nähren. Das Erfahren der Selbstorganisation psychischer und körperlicher
Prozesse führt zu Vertrauen. Die Rolle von "Fehlern" wird
neu ausgeleuchtet und diese von ihrer negativen Wirkung befreit. Statt
der Angst zu versagen wird eine neue, positiv orientierte Intention auf
der Bühne aufgebaut, welche dem "magischen Moment" den
Weg bereitet.
Arbeit am MATERIAL: Über die Grunderfahrung einer physiologischen
Atmung und Phonation hinaus wird Bewußtheit für die Gesamtheit
der kommunizierten Signale geschaffen, die insbesondere auch unbewußte
und "störende" Anteile einschließt. Dabei werden
die verschiedenen Kanäle für Vermittlung und Wahrnehmung von
Signalen isoliert und der bewußte Wechsel von Kanälen trainiert.
Störungen werden aufgegriffen, erforscht und zur Transformation und
Integration weierentwickelt. Dadurch wird aus der Technik statt einem
Komplex zur Vermeidung von Fehlern ein Repertoire, spontane Impulse zur
Entfaltung zu bringen.
Die Ziele
Die Teilnehmer erfahren einen Zugang zu einem Zustand, der das Geschehen
"magischer Momente" erlaubt. Damit erschließt sich die
Fähigkeit, sich selbst und das Publikum zu verwandeln und die künstlerische
Tätigkeit mit Freude und Erfüllung zu verbinden.
Mit dieser Transformation der inneren Haltung geht die Auflösung
geistiger und körperlicher Blockaden einher. Es entwickelt sich eine
allgemeine Fähigkeit, Freiheit und Spontaneität zu erleben.
Die Freisetzung des ganzen kreativen Potentials ist die Folge.
Je nach individueller Voraussetzung der Teilnehmer erlaubt dieser Workshop
erste Schritte zu einer Bewußtheit über die Phänomene,
die mit Präsentation verbunden sind. Vereinzelte Schlüsselerfahrungen
können wegweisend sein und den persönlichen Entwicklungsprozeß
initiieren, der zur künstlerischen Reife führt.
Referenzen >>

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